Eine KI-Strategie muss im KMU keine umfangreiche Präsentation sein. Sie muss klären, welches Problem zuerst gelöst wird, wer entscheidet und woran sich der Nutzen erkennen lässt.
Was nach 90 Tagen vorliegen sollte
Der folgende Fahrplan ist eine Planungshilfe, kein Versprechen, dass jedes KI-Projekt innerhalb von drei Monaten produktiv wird. Datenzugang, interne Kapazität und Integrationen können den Zeitraum verändern.
Ein gutes Ergebnis ist eine fundierte Entscheidung: einen geprüften Anwendungsfall weiterführen, den Umfang anpassen oder vorerst auf eine Umsetzung verzichten. Dazu gehören dokumentierte Erkenntnisse über Daten, Aufwand, Qualität und Verantwortung.
Tage 1 bis 15: Den geschäftlichen Bedarf klären
Sprechen Sie mit den Personen, die die Arbeit tatsächlich erledigen. Fragen Sie nach wiederkehrender Suche, manueller Übertragung, Nacharbeit und häufigen Rückfragen. Sammeln Sie konkrete Vorgänge statt allgemeiner Wünsche nach «mehr Effizienz».
Beschreiben Sie den heutigen Prozess mit Eingang, Bearbeitung, Prüfung und Ergebnis. Halten Sie fest, welche Kennzahlen bereits existieren. Wenn Sie nicht wissen, wie die Aufgabe heute funktioniert, fehlt die Vergleichsbasis für eine Verbesserung.
Am Ende dieser Phase steht eine kurze Liste klar formulierter Anwendungsfälle. Jeder Eintrag hat eine verantwortliche Fachperson und einen nachvollziehbaren Bedarf.
Tage 16 bis 30: Einen Pilot auswählen
Vergleichen Sie die Ideen nach Nutzen, Datenzugang, Prüfbarkeit, Aufwand und möglichen Fehlerfolgen. Unsere Anleitung zum Priorisieren von KI-Use-Cases bietet dafür eine praktische Struktur.
Prüfen Sie auch eine Lösung ohne KI. Eine bessere Vorlage oder eine feste Regel kann das Problem bereits lösen. Wenn KI sinnvoll erscheint, legen Sie einen engen Daten- und Funktionsumfang fest.
Klären Sie vor der Umsetzung, welche Daten genutzt werden und welche externen Stellen beteiligt sind. Für Personendaten bietet die EDÖB-Seite zu KI und Datenschutz eine grundlegende Einordnung.
Tage 31 bis 60: Hypothese testen
Bauen Sie einen Pilot, der genau eine wichtige Annahme überprüft. Zum Beispiel: Können Servicemitarbeitende mit freigegebenen Handbüchern schneller fachlich richtige Antworten erstellen?
Stellen Sie ein Testset zusammen, das gewöhnliche und schwierige Fälle enthält. Erfassen Sie Bearbeitungszeit inklusive Kontrolle. Dokumentieren Sie falsche Antworten, fehlende Quellen und Fälle, in denen die Anwendung besser keine Antwort geben sollte.
Beschränken Sie Änderungen auf das, was für die Hypothese nötig ist. Eine neue Oberfläche, weitere Datenquellen und zusätzliche Automationen können interessant sein, machen aber die Auswertung des ersten Tests schwieriger.
Tage 61 bis 75: Alltag und Betrieb prüfen
Lassen Sie die vorgesehene Nutzergruppe mit der Anwendung arbeiten. Beobachten Sie, wo sie hilft und wo Mitarbeitende auf den bisherigen Ablauf zurückgreifen. Fragen Sie nach Gründen: fehlendes Vertrauen, unpassende Einbindung oder tatsächliche Qualitätsprobleme verlangen unterschiedliche Antworten.
Gleichzeitig klären Sie Betreuung, Datenpflege, Zugriffe und ein Rückfallverfahren. Die NIST-Orientierung zum KI-Risikomanagement kann dabei helfen, die Anwendung über den Pilot hinaus zu betrachten.
Tage 76 bis 90: Entscheiden und priorisieren
Vergleichen Sie Ergebnisse mit den ursprünglichen Annahmen. Was ist belegt? Welche Grenzen bleiben? Wie hoch sind Einführungskosten und laufender Aufwand? Welche internen Kapazitäten werden benötigt?
Halten Sie die Entscheidung auf einer Seite fest. Eine Fortsetzung braucht einen begründeten Umfang und eine zuständige Person. Eine Pause braucht konkrete Voraussetzungen für einen neuen Anlauf. Ein Stopp sollte die verwertbaren Erkenntnisse sichern.
Drei Unterlagen reichen als strategischer Kern
Ein KMU kann mit einer priorisierten Anwendungsfallliste, einem Entscheidungsprotokoll und einer einfachen Betriebsübersicht beginnen. Diese Dokumente werden mit jeder neuen Erkenntnis aktualisiert.
Die Strategie entsteht damit aus nachvollziehbaren Entscheidungen. Unsere KI-Beratung in der Schweiz unterstützt dabei, diesen Fahrplan an Ihre Prozesse, Daten und verfügbaren Mitarbeitenden anzupassen.




