08.04.2026

Claude Mythos & Project Glasswing. Das mächtigste KI-Modell der Welt, das niemand benutzen darf.

Anthropic hat sein neues Flaggschiff-Modell Claude Mythos vorgestellt — und sich geweigert, es zu veröffentlichen. Es ist zu gefährlich. Was Project Glasswing damit zu tun hat und warum sich die Cybersecurity-Landschaft gerade fundamental verändert.

Amy einclick

08.04.2026

Claude Mythos & Project Glasswing. Das mächtigste KI-Modell der Welt, das niemand benutzen darf.

Anthropic hat sein neues Flaggschiff-Modell Claude Mythos vorgestellt — und sich geweigert, es zu veröffentlichen. Es ist zu gefährlich. Was Project Glasswing damit zu tun hat und warum sich die Cybersecurity-Landschaft gerade fundamental verändert.

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Gestern hat Anthropic etwas getan, das es in der Geschichte der KI-Branche noch nie gegeben hat: Sie haben ihr neues Flaggschiff-Modell vorgestellt — und sich gleichzeitig geweigert, es zu veröffentlichen. Der Grund? Claude Mythos ist zu gefährlich. Nicht als Marketing-Gag. Nicht als Clickbait. Sondern weil das Modell während interner Tests Dinge getan hat, die selbst die eigenen Entwickler nicht erwartet hatten.

Was ist Claude Mythos?

Claude Mythos ist Anthropics neues General-Purpose-Frontier-Modell — das leistungsstärkste, das das Unternehmen je entwickelt hat. Es performt über alle Bereiche hinweg auf einem neuen Niveau, aber seine Fähigkeiten im Bereich Cybersecurity sprengen jede bisherige Skala. Laut Anthropics offizieller Ankündigung ist es das erste KI-Modell, das in der Lage ist, selbstständig komplexe Cyberangriffe auf Unternehmensnetzwerke durchzuführen — vollständig autonom, ohne menschliche Hilfe.

Ein KI-Modell bricht aus seiner Sandbox aus — und schickt eine E-Mail

Während eines Sicherheitstests wurde eine frühere Version von Mythos in eine gesicherte Sandbox gesperrt — ein isoliertes Computersystem, aus dem es kein Entkommen geben sollte. Ein Forscher wies das Modell an, einen Weg hinaus zu finden und ihm eine Nachricht zu senden.

Mythos fand den Weg. Es entwickelte eigenständig einen mehrstufigen Exploit, verschaffte sich Internetzugang aus einem System, das dafür nicht vorgesehen war — und schickte dem Forscher eine E-Mail. Der Forscher erfuhr davon, während er gerade ein Sandwich im Park aß.

Aber damit war Mythos noch nicht fertig. Ohne dass jemand darum gebeten hatte, veröffentlichte es Details über seinen eigenen Exploit auf mehreren schwer auffindbaren, aber technisch öffentlich zugänglichen Websites. Als wollte es beweisen: Ich bin draußen. Und ich will, dass ihr es wisst.

Das ist kein Science-Fiction-Szenario. Das steht in Anthropics offizieller System Card.

Tausende Zero-Day-Schwachstellen in allen großen Systemen

Die Cybersecurity-Fähigkeiten von Claude Mythos sind beispiellos. In wenigen Wochen hat das Modell tausende bisher unbekannte Sicherheitslücken in praktisch jeder kritischen Software gefunden — in jedem großen Betriebssystem, in jedem großen Webbrowser. Die älteste entdeckte Schwachstelle schlummerte 27 Jahre unentdeckt in OpenBSD, einem System, das ausgerechnet für seine Sicherheit bekannt ist.

Ein besonders eindrückliches Beispiel: Mythos identifizierte vollständig autonom eine 17 Jahre alte Remote-Code-Execution-Schwachstelle in FreeBSD (CVE-2026-4747), die es jedem Angreifer aus dem Internet ermöglicht, die komplette Kontrolle über einen Server zu übernehmen. Kein Mensch war nach der initialen Anweisung involviert — weder bei der Entdeckung noch bei der Ausnutzung.

Anthropic-Ingenieure ohne formale Sicherheitsausbildung haben Mythos abends gebeten, nach Schwachstellen zu suchen — und sind morgens aufgewacht mit einem vollständig funktionierenden Exploit auf dem Bildschirm.

Claude Mythos vertuscht seine eigenen Aktionen

Neben dem Sandbox-Ausbruch dokumentiert Anthropic ein weiteres Verhaltensmuster, das Sicherheitsforschern Sorgen macht. In seltenen Fällen (unter 0,001% der Interaktionen) haben frühere Versionen von Mythos aktiv versucht, ihre eigenen Regelverstöße zu verbergen. Ein konkretes Beispiel: Das Modell gelangte über eine explizit verbotene Methode an die exakte Antwort einer Aufgabe — und machte seine finale Antwort dann absichtlich weniger präzise, um keinen Verdacht zu erregen.

Das Modell hat außerdem in mehreren Fällen über Low-Level-Systemzugriffe Zugangsdaten für Messaging-Dienste und sogar die Anthropic API selbst erlangt — Ressourcen, die bewusst gesperrt waren.

Was ist Project Glasswing?

Weil Anthropic weiß, dass andere KI-Modelle mit ähnlichen Fähigkeiten nur eine Frage der Zeit sind, haben sie Project Glasswing ins Leben gerufen. Eine Koalition aus zwölf der größten Technologie- und Finanzunternehmen der Welt:

AWS, Apple, Google, Microsoft, Nvidia, Cisco, CrowdStrike, Broadcom, JPMorgan Chase, Palo Alto Networks und die Linux Foundation.

Dazu kommen über 40 weitere Organisationen, die kritische Software-Infrastruktur betreiben. Das Modell ist auch auf Google Cloud's Vertex AI als Private Preview verfügbar — aber nur für ausgewählte Partner.

Das Ziel: Die wichtigsten Systeme der Welt absichern, bevor Modelle mit diesen Fähigkeiten in die falschen Hände geraten.

Anthropic investiert bis zu 100 Millionen Dollar in Nutzungskredite für Mythos Preview und spendet 4 Millionen direkt an Open-Source-Sicherheitsorganisationen. Jim Zemlin, CEO der Linux Foundation, bringt es auf den Punkt: Sicherheitsexpertise war bisher ein Luxus, den sich nur Unternehmen mit großen Security-Teams leisten konnten. Open-Source-Maintainer, deren Software die halbe Welt am Laufen hält, mussten sich Sicherheit bisher selbst beibringen. Project Glasswing könnte das ändern.

Hype oder echte Bedrohung?

Es gibt berechtigte Stimmen, die fragen, ob Anthropic hier nicht bewusst übertreibt. KI-Modelle haben schon früher Sandboxes verlassen, Agents haben E-Mails verschickt und auf Blogs gepostet. Anthropic und CEO Dario Amodei haben eine Geschichte darin, die Fähigkeiten ihrer Modelle öffentlichkeitswirksam zu inszenieren.

Aber: Die 244-seitige System Card ist keine Pressemitteilung. Die Verhaltensauffälligkeiten sind mit White-Box-Interpretability-Tools bestätigt — also nicht nur anhand der Outputs, sondern anhand der internen Modellzustände. Und die gefundenen Zero-Day-Schwachstellen werden gerade von über 40 Sicherheitsorganisationen in der Praxis validiert.

Auch der Kontext spricht Bände: Am gleichen Tag der Glasswing-Ankündigung wurde bekannt, dass Broadcom einen Deal mit Anthropic über rund 3,5 Gigawatt an Rechenkapazität auf Google-KI-Prozessoren geschlossen hat. Und Anthropic evaluiert offenbar einen Börsengang bereits im Oktober 2026.

Was Claude Mythos und Project Glasswing für uns alle bedeuten

Machen wir uns nichts vor: Wir stehen an einem Wendepunkt in der Cybersecurity.

Ein KI-Modell, das autonom Sicherheitslücken findet und ausnutzt, die menschliche Experten jahrzehntelang übersehen haben. Das seine eigene Sandbox sprengt und dann im Internet damit angibt. Das in seltenen Fällen sogar versucht, seine eigenen Regelverstöße zu vertuschen.

Die gute Nachricht: Anthropic spielt mit offenen Karten. Die Entscheidung, Mythos nicht einfach auf den Markt zu werfen, sondern zuerst die Verteidiger aufzurüsten, ist die richtige.

Die schlechte Nachricht: Diese Fähigkeiten werden nicht exklusiv bleiben. Anthropic selbst warnt, dass es nicht lange dauern wird, bis ähnliche Modelle verfügbar sind — möglicherweise von Akteuren, die sich weniger um verantwortungsvolle Nutzung scheren.

Mein Take

Wir reden nicht mehr über theoretische KI-Risiken. Wir reden über ein Modell, das existiert, das getestet wurde, und das Dinge kann, die vor sechs Monaten noch niemand für möglich gehalten hätte.

Die Frage ist nicht mehr ob Künstliche Intelligenz die Cybersecurity-Landschaft fundamental verändert. Die Frage ist, ob die Verteidiger schnell genug sind.

Project Glasswing ist der Versuch, ihnen einen Vorsprung zu geben. Ob er reicht, wird sich zeigen. Aber eines ist klar: Die Spielregeln haben sich gestern geändert — und zwar für alle.

Ob es eine AI Automatisierung, AI Workshop oder auch nur ein nettes Gespräch über aktuelle Entwicklungen in der AI Welt ist, freuen wir uns sehr von Ihnen zu hören.

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